Roman und Reportage gelten als Königsdisziplinen. Kurze Textformen haben einen schlechten Ruf. Dieser hat sich mit den Social Media nicht verbessert. Dabei lässt sich mit kleinen Textbausteinen packend erzählen.
Sie sei eine Twitternatur, sagte ein Student in einem Workshop Stephanie Sargnagel, obwohl diese keinen Twitteraccount hat. Daraufhin schmiss die österreichische Autorin ein Xanor und zwang die Klasse, Battleraps zu texten.
Dass kurze Texte mit Sprachverwahrlosung gleichgesetzt werden, ist gang und gäbe und eine Schande. In ihren Statusmeldungen, einer Art Tagebucheinträgen, zeigt Sargnagel eindrücklich, welch Potenzial die Kurzform birgt. Sie gestaltet hunderte kleine Einträge, die fast alle für sich alleine stehen könnten. Dies tun sie aber oft nicht.
Denn wenn sie ihre Einträge zusammenhängt, wie die Perlen auf einer Kette, entsteht ein einzigartiger Rhythmus. Die fortlaufende Erzählung ergiesst sich in Wellen. Ein stetiges Auf und Ab lässt die Ereignisse aufwiegen und abebben wie ein kleiner Sturm. Dadurch erhalten sie eine Emotionalität, die durchgehende Texten nur schwer erreichen.
Der sprachliche und dramaturgische Wechsel in solchen Textbites ist ein grosser Genuss. Der Nachteil solcher Bissen hingegen ist, dass sie mit der Zeit ermüden. Sie laugen einen aus. Wie auch die Autorin selbst.
Gegen Schluss der Statusmeldungen ist Sargnagels Existenz nur noch mit einem radikalen Wechsel der Lebensgewohnheiten möglich. Vom Alkohol sagt sie sich los, gegen die Depressionen schluckt sie Tabletten. Als ihr das neue Leben gelingt, brechen ihre Meldungen ab. Wohl kaum zufällig.
Stefanie Sargnagel: Statusmeldungen, Rowohlt Verlag, Reinbeck bei Hamburg, 2017
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