Die 4000-Kilometer-Reportage

1959 reiste Pier Paolo Pasolini für die Zeitschrift Successo entlang der italienischen Küste. Das sich wandelnde Land fängt er über mehrere Etappen ein. Ein schönes Beispiel für Serialität lange vor dem Siegeszug der Fernsehserien.

Fast 4000 Kilometer war Pier Paolo Pasolini von Juni bis August 1959 mit seinem Fiat Millecento unterwegs. Die Italienreise beginnt an der französischen Grenze und endet in Triest. Unter dem Titel La lunga strada di sabbia, die lange Strasse aus Sand, wurde die Reportage in drei Teilen im Mailänder Magazin Successo veröffentlicht.

Die Bilder der Reportage stammten vom Fotografen Paolo Di Paolo. Die beiden sollen sich nicht besonders gut verstanden haben, weshalb sie ihre Reise getrennt machten. Di Paolo fand Pasolini eine eigenartige Figur, denn er sprach kaum und trank keinen Wein, was, wie er fand, für einen Italiener schon sehr speziell ist.

Pasolinis dreiteilige Reportage ist ein schönes Beispiel von seriellem Erzählen. Zwar sind die Eindrücke oft tagebuchartig und fragmentarisch. Ihre gemeinsame Klammer ist jedoch der gesellschaftskritische Blick auf ein Land, das sich in dieser Zeit in die Nachkriegsmoderne katapultierte. Ein ähnliches Zeitdokument erstellt er im Dokumentarfilm Comizi d’amore fünf Jahre später.

Pasolinis Italienreise ist in den letzten Jahren neu verlegt worden. 2015 in Italien mit den Bildern des französischen Fotografen Philippe Séclier, der 2001 die gleiche Reise unternahm. In Deutschland ist Die lange Strasse aus Sand mit den Bildern aus dem Archiv einer Agentur illustriert worden. Was mit Di Paolos Reportagen-Fotografien geschah und weshalb man sie nicht verwendete, erschliesst sich mir nicht. Vielleicht weiss ja jemand mehr.

Pier Paolo Pasolini: Die lange Strasse aus Sand: Italien zwischen Armut und Dolce Vita, Corso, 2017

Pier Paolos Pasolinis Reise durch Italien, Claus Bredenbrock, Deutschland 2018, WDR /Arte

Foto © Cristina Gottardi

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